Dave und die Kobolde

Erschienen 2008, Fantasy, 228 Seiten

Titelbild von Bianka Kathrin Lehmann

Leseprobe aus dem ersten Kapitel "Twinkle":

Wie ich da also einen Teller nach dem anderen trockenrieb, hörte ich auf einmal ein hässliches Klirren hinter mir. Das war eindeutig einer von den fertigen Tellern! Und tatsächlich! Als ich mich umdrehte, sah ich als erstes die Scherben auf dem Boden. Noch dazu einer von den guten mit dem Zwiebelmuster! Ma würde mich lynchen! Dann jedoch dämmerte mir, dass ich die doch so hingestellt hatte, dass das normal gar nicht passieren konnte. Mein Blick wanderte hoch zum Tisch mit dem schon sauberen Geschirr. Und da war er! Frech grinsend, überhaupt nicht im geringsten verlegen und einen Teller auf der Kante rollend stand dort ein Kobold, ungefähr so, wie man sich die in Geschichten vorstellt: klein – gerade mal so groß wie der Teller neben ihm - , knubbelig, mit extrem hochstehenden schwarzen Haaren und quietschbunten Klamotten in ziemlich ätzender Zusammenstellung.

„Ich will rote Haare!“, sagte er knapp.

„Du willst was?“, fragte ich vollkommen geplättet.

„Rote Haare! So wie die von der Frau, die hier wohnt!“

Die Beschreibung war eindeutig: meine Ma. Und mit dem Rot meinte er logischerweise ihr Haarfärbemittel. Trotzdem ging mir das jetzt ein bisschen zu schnell.

 

Leseprobe aus den Kapitel „Sonntagsmorgens um fünf Uhr“:

„Leckere Waffeln? Und Calli hat das Ding kaputt gemacht?“ Diese Frage kam nicht von Callidus. Und auch nicht von Twinkle! Ich brauchte mich allerdings nicht lange nach dem Frager umschauen, denn nur einen Moment später tauchte neben Callidus ein weiterer Kobold auf. Er war ziemlich kräftig, hatte blonde, abstehende Struppshaare und trug eine ähnlich auffällige Farbzusammenstellung wie Twinkle, in Form einer himmelblauen Latzhose und einem orange-grün gepunkteten Pulli. Entsetzt stemmte er seine Fäuste in die breiten Hüften und schnaubte mit gerötetem Gesicht: „Das hört sofort auf! Sonst werd’ ich echt sauer! Und hoffe, dass der Junge das Ding wieder heile kriegt! Ich will nämlich Waffeln!“

„Nu haste aber ’n Problem, Calli!“, meinte Twinkle grinsend. „Wenn Kluntje hört, dass du ihm ’n leckeres Essen vermasselst, gibt’s Ärger.“

Dieser Kobold hieß also Kluntje. Gut zu wissen. Jedenfalls schien er auf Callidus zumindest etwas Eindruck zu machen. Der schaute nämlich verlegen seine Hände knetend auf den Waffeleisenschrott und dann geradezu bittend zu mir hoch.

„Wäre es vielleicht, unter Umständen möglich, diesen anscheinend dringlich benötigten Gegenstand wieder vollständig zusammenzusetzen?“

Das war eine höfliche Bitte an mich! Es geschehen noch Wunder, war mein erster Gedanke.

Ich schaute die drei Kobolde der Reihe nach an und fragte mich, wie viele von denen wohl noch auftauchen würden. Dann sagte ich: „Ich werd’s versuchen, aber versprechen kann ich nichts.“

Mit diesen Worten sammelte ich die Einzelteile zusammen und holte mir einen Schraubendreher und eine kleine Zange aus der Abstellkammer. Seufzend versuchte ich dann mein Glück, während mir Callidus flehendliche Blicke zuwarf. Twinkle beobachtete mich und auch Kluntje interessiert. Der lief ungeduldig auf und ab und wollte mir ständig irgendwelche Schrauben anreichen.

Schließlich schaffte ich es tatsächlich, das Waffeleisen wieder in einen funktionstüchtigen Zustand zu versetzen. Bis auf ein paar Kratzer war es wieder fast wie neu. Callidus strahlte mich dankbar und erleichtert an.

„Und nun gibt’s Waffeln!“, stellte Kluntje prompt fest und rieb sich sein etwas fülligeres Bäuchlein.

„Ähm, ich hab’ aber noch nie welche gemacht ...“, bemerkte ich vorsichtig.

Kluntje runzelte die Stirn. Twinkle hingegen stapfte schnurstracks zum Lebensmittelschrank und zog eine Tüte Mehl heraus.

„Irgendwann ist’s immer das erste Mal“, meinte er gelassen.

Kluntje schien zufriedengestellt und setzte sich brav auf die Arbeitsplatte, während Twinkle zusammen mit Callidus die Dinge hinaufbrachte, die ihm für’s Waffelbacken notwendig erschienen. Außer der Tüte Mehl und einer großen Schüssel standen dort also nach kurzer Zeit auch noch Soßenbinder, Puddingpulver, Nudeln, eine Dose Würstchen und eine Tüte Lakritzbonbons.

 

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© Christel Hasse